Wir sehen uns am Merchandise-Stand!

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Wann immer man Live-Konzerte in kleinerem Rahmen besucht und sich die musikalische Darbietung dem Ende neigt, gibt es eine oft beobachtete Aussage des Lead-Sängers oder eines anderen Bandmitgliedes an das feierfreudige Publikum. Dabei sind die Rahmenbedingungen meist durch das ungeschriebene Gesetz der Live-Musik vorgegeben und in etwa die folgenden: Die Band hat zwischen einer und zwei, im Ausnahmefall auch mal bis zu drei Stunden ihr Bestes gegeben, um die Meute vor der Bühne zu unterhalten. Fans sowie angereiste Neu-Zuhörer haben sich von der Darbietung der Kapelle in mittlere Ekstase versetzen lassen und die letzte Zugabe ist bereits in Hörweite…

Wann immer man Live-Konzerte in kleinerem Rahmen besucht und sich die musikalische Darbietung dem Ende neigt, gibt es eine oft beobachtete Aussage des Lead-Sängers oder eines anderen Bandmitgliedes an das feierfreudige Publikum. Dabei sind die Rahmenbedingungen meist durch das ungeschriebene Gesetz der Live-Musik vorgegeben und in etwa die folgenden: Die Band hat zwischen einer und zwei, im Ausnahmefall auch mal bis zu drei Stunden ihr Bestes gegeben, um die Meute vor der Bühne zu unterhalten. Fans sowie angereiste Neu-Zuhörer haben sich von der Darbietung der Kapelle in mittlere Ekstase versetzen lassen und die letzte Zugabe ist bereits in Hörweite. In unmittelbarer oder mittelbarer Nähe befindet sich der je nach örtlichen und materiellen Möglichkeiten ausgestattete Merchandise-Stand der Band. Dieser wird bewacht von einem mitreisenden “Leibeigenen”, geschmückt von einem exemplarischen T-Shirt, das meist dem eigenen Merchandise-Sortiment oder dem einer befreundeten Band entstammt. Diese Person – lebendige Litfaßsäule und personifizierter „Point of Sale“- steht meist mehr oder weniger regungslos in ihrem auf ein paar Quadratmeter begrenzten Areal hinter dem Stand, das im besten Fall überdacht ist.

Dabei sind die Arme des „Merchers“ des Öfteren vor der Brust verschränkt und der Band wird mit gelassenem Kopfwippen Tribut gezollt oder es wird bereits eifrig in den Kisten und Kartons gewühlt, um die ganze Palette von Buttons bis Hoodie anschaulich und kaufstimulierend zu präsentieren. Irgendwann ist es dann soweit, diese während des Konzertes meist unbeachtete kreativ-wirtschaftliche Ecke wird in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Dies geschieht durch eine Ansage, die gerne mit ausgestrecktem Zeigefinger Richtung Merchandise-Stand verdeutlicht wird. In das Mikro, das bis eben für die Songs und je nach Gusto auch für humorvolle Aufforderungen diente, wird nun eine allbekannte Einladung gesprochen: „Wir sehen uns nachher auf ein Bier/Whiskey/Schnaps am Merchandise-Stand!“.

Im beidseitigen Rausch des Konzertes mag diese Einladung auch durchaus beiden Parteien als naheliegend und deren Umsetzung realistisch erscheinen, schließlich ist man durch den Gig zusammengewachsen, man hat seine Euphorie mit der Band geteilt, warum also nicht ein brüderlich-alkoholisches Getränk mit den musikalischen Freunden teilen?

Die Antwort ist, dass es sich eigentlich um eine Einladung handelt, von der insgeheim beide Seiten wissen, dass sie so nie wahrgenommen wird. Denn kaum sind die letzten Töne der Zugabe verklungen, kaum hat sich die letzte Seite aus ihrer Vibration in Schweigen gelegt, ist die bis eben fast transzendent erlebte Verbindung gekappt und der Mann, dem man zuvor noch voller Inbrunst seinen Song entgegen gebrüllt hat, wird wieder zu dem Fremden mit dem Gitarrenkoffer. Wenn man dann genau hinschaut, entwickelt sich die eben noch als eine Art Sündenpfuhl deklarierte Brutstätte alkoholischer Geselligkeit zu einem nüchternen Verkaufsstand und nur selten sieht man kaltgestellte Getränke oder andere Stimmungsmacher. Stattdessen klappert eine farbige Geldkassette in der Ecke und wartet auf das Geld der Konzertbesucher.

Die Band, die in den meisten Fällen tatsächlich am Merch-Stand erscheint, wirkt von dem ausbleibenden Ansturm eigentlich nie überrascht oder enttäuscht, ebenso wie die kaufinteressierten Zuhörer. Diese fragen dann auch nicht nach einer Flasche Bier, sondern nach „Dem da in L“ (dem Band T-Shirt). Und obwohl diese Einladung von der Bühne aus meistens so oft unerfüllt bleibt, wie sie ausgesprochen wird, darf sie doch nicht fehlen. Sie ist wie die höfliche Einladung an einen Menschen, den man nach langer Zeit auf der Straße trifft und aus Verlegenheit sagt: „Lass uns doch mal irgendwann einen Kaffee trinken gehen“. Beide wissen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass diese Verabredung je stattfinden wird, doch mit dieser doppelt gespiegelten Höflichkeitslüge – jeweils an das Gegenüber und an sich selbst – kann man sich guten Gewissens verabschieden, sein Gesicht wahren und im Normalfall wird niemand enttäuscht sein. Und ähnlich verhält es sich mit dem leeren Versprechen, der routinierten Einladung von der Konzertbühne aus – und so wird es wohl noch viele nicht getrunkene Kaffees, Whiskeys und Biere geben – wir sehen uns am Merchandise-Stand!

Whenever you are visting a live concert on a small scale and the musical show is slowly coming to an end, there’s a often seen anouncement of the lead singer or another band member, dedicated to the partying audience. The circumstances are mostly defined by the unwritten laws of live music and they are: The band has been giving its best between one and two, in exceptional cases three hours to entertain the bunch in front of the stage. Fans and strangers  have been enjoying the action of the band until middle ecstasy and the last encore is already in hearing distance. In direct or indirect distance you can find the merchandise stall of the band which is differently equipped, depending on local and material conditions. It is supervised by a travelling “serf”, who is dressed in an exemplaric T-Shirt which comes from the band-own merchandise sortiment oder from the one of another band. This person – living advertisement an „point of sale“ – is standing more or less still in its small area behind the stall, which is limited to a couple of square metrers. In the best case it is roofed.

The arms of the „mercher“ are often crossed in front of his chest and the band is being praised with a chilled nodding or he’s already busy with searching for things in the boxes to present the whole portfolio of buttons and hoodies in a pretty and buy-stimulating way. Sometime the time is come and this creative-economic corner that doesn’t get much attention during the concert is dragged in the center of attention. This happens by an anouncement, which is likely to be accompanied with a finger pointing in the direction of the merchandise stall, just to make it clear. The mikrophon that has served for songs and funny speeches until that point, is used for a well-known invitation: „Let’s meet for a beer/whiskey/booze at the merchandise stall!“

In the both-sided inebriation of the concert, this invitation may seem natural and realistic for both parties, at least you have grown together during the gig, you shared euphoria with the band, so why not sharing a brotherly alcoholic drink with the musical friends?

The answer is, that actually it is an invitation of which both sides know that it will never be realised like this. Because no sooner the last tunes of the encore have faded away, when the last string has changed from vibration into silence, the transcendental experienced connection is capped and the man in whose face you had just screamed his own song, becomes the stranger with the guitar suitcase again. If you take a careful look then, the spot which has just been declared as a hotbed of alcoholic sociality, turns into a everyday sales stall and you rarely see cooled drinks or other animating party equipment. Instead, a colored cashbox is rattling in the corner and awaitens the money of the concert visitors.

The band, which mostly really appears at the merchandise stall, never really seems to be surprised or disappointed by the absence of the onrush, just like the buy-interested listeners. They finally don’t ask for a bottle of beer, but for „This one in L“ (the band t-shirt). And even though this invitation from the stage is mostly as often unfulfilled as it is pronounced, yet it cant’ be missing. It’s like a polite invitation to a person you meet on the road after haven’t seen him/her for a long time and just by embarrasement you say: „Let’s meet for a coffee sometime“. Both know, it’s likely that this appointment will never take place, but with this double mirrored politeness-lie – to the counterpart and to oneself- you can say goodbye with a good consciousness, you can keep the face and normally nobody will be disappointed. And just similar to that is the empty promise, the routine invitation from the stage – and that’s why there gonna be many not drunk coffees, whiskeys and beers in the future – meet you at the merchandise stall!

Wir sehen uns am Merchandise-Stand!, 4.8 out of 5 based on 4 ratings
One Response to Wir sehen uns am Merchandise-Stand!
  1. [...] der Umbaupause von regelmäßigen 45 Minuten konnte man entweder der oft gehörten Einladung der Bands an den Merchandise-Stand folgen, oder diese durch das Rahmenprogramm im Biergarten überbrücken. Hier unterhielt der [...]

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